Einblick
Segeln ist Wurst (Einblick ehemaliger SKE-Juniorin)
Im Frühling half ich in Sisikon einem frierenden, aber fröhlichen Mädchen, das gerade dabei war, seinen Optimisten Kopernikus einzuwässern. Gegen Ende des Sommers, als wir uns abmühten, die 240 Meter lange Ankerleine zur Wendemarke beim Bürgenstock Race hochzuziehen, erzählte mir mein Kollege, dass auch er auf Kopernikus segeln gelernt hatte. Irgendwo zwischen diesen beiden Seglern sass meine Tochter ebenfalls in Kopernikus.
Eigentlich wollte sie gar nicht segeln. In Schweden hätte sie es ausprobiert, aber in der Schweiz seien die Trainer ihr zufolge so streng, und man müsse dort auch noch immer in eine bestimmte Richtung segeln! Der Segelclub Hallwil und Anna waren leider nicht kompatibel. Als sie dann zufällig Michael Ribbak begegnete und dieser versuchte, Anna davon zu überzeugen, das Segeln beim SKE auszuprobieren, versuchte sie mit allen Mitteln, sich aus der Affäre zu ziehen. Doch Michael liess nicht locker. Schliesslich erklärte sie sich bereit, es EIN einziges Mal zu versuchen.
Drei Stunden später war alles anders! Sie liebte das Segeln. Sicher hatten Marc und Matthias mehr Geduld, und mit Zoe und den anderen Kindern herumzurennen, machte bestimmt auch Spass. Aber das Allerwichtigste war, glaube ich, dass es nach dem Segeln eine gekochte Wurst (Hotdog) gab.
Mit der Zeit wurde das Segeln selbst immer wichtiger, und zwei Jahre später wechselte Anna zum DRSC. Mehr Training, mehr Regatten und jede Menge Reisen! Plötzlich war Segeln ihr Leben und ihr Leben das Segeln. Nach zwei Jahren im Optimisten wechselte sie etwas zögerlich in die ILCA-Klasse. Eines der ersten Trainings endete mit einem Krankenwagen und einer Fahrt ins Kantonsspital Uri. Es folgte eine Nacht auf der Intensivstation – wegen einer ziemlich heftigen Hypothermie (Unterkühlung). Aber sie wollte weitermachen.
Bei ihrem ersten Regio Cup wurde sie Zweite, und in Luzern gewann sie sogar gegen die ILCA 6, obwohl sie eine geliehene ILCA 4 segelte. Was zunächst unglücklich begonnen hatte, wendete sich zum Guten. Im schwedischen Team war noch ein Platz für die EM frei. Dank eines glücklichen Zufalls konnte Anna diesen Platz bekommen, obwohl ihr die entsprechenden Resultate fehlten. Plötzlich standen der Europa Cup und die Europameisterschaft in Murcia auf dem Programm. Und das war doch eine andere Liga als der Regio Cup!
Ich bin super gesegelt, Papa! Aber alle anderen sind einfach verdammt viel besser als ich! sagte Anna, als ich sie fragte, wie es gelaufen sei. Trotzdem war es eine wertvolle Erfahrung, und sie konnte ihre ersten Punkte im Europa-Ranking sammeln.
Beim Europa Cup in Neuchâtel wurde Anna zweitbeste Dame und gewann die U16-Klasse. Das sollte sich noch als wichtig erweisen. Das schwedische WM-Team war zwar bereits voll, aber Schweden erhielt dank Annas Ranking einen zusätzlichen Startplatz. So konnte sie auch an der ILCA-4-WM in Aarhus teilnehmen.
Leider war das Glück beim Training vor den Nordischen Meisterschaften aufgebraucht. Ein weiterer Besuch in der Notaufnahme, diesmal in Göteborg. Keine Nordischen Meisterschaften und eine denkbar schlechte Vorbereitung auf die WM.
An den ersten Tagen der WM blies der Wind mit rund 25 Knoten. Deshalb gab es mehrere DNF und DNS in der Rangliste. Am letzten Tag liess der Wind etwas nach. Bei 15 Knoten segelte Anna in der Silver Fleet auf den 20. Platz von 75 Teilnehmerinnen. Sicher hatte sie sich mehr erhofft. Aber ich tröstete sie damit, dass immerhin eine weitere Schwedin und eine Schweizerin hinter ihr in der Rangliste lagen.
Die WM 2027 in China kommt wegen der Schule nicht infrage. Sollte sich Anna aber für die EM in Frankreich qualifizieren, wird sie dort noch einmal an einer internationalen Meisterschaft teilnehmen – vermutlich zum letzten Mal und einfach, um es zu geniessen. Danach gilt ihr ungeteilter Fokus wieder der Schule.
Wenn wir darüber diskutieren, wie wir Kinder fürs Segeln begeistern können, brauchen wir vielleicht gar keine schnelleren Foil-Boote und keine spektakulärere TV-Berichterstattung mit atemberaubenden Bildern. Vielleicht ist es ganz einfach: Was es braucht, sind Kameradschaft, Trainerinnen und Trainer, die das Training an die Kinder anpassen, und natürlich eine Wurst!
Vielen Dank, Michael, Marc, Matthias und Micha! Ihr habt Annas Segelerfahrungen möglich gemacht!